Free Animal e.V.

Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.

Endstation Hoffnung

Endstation Hoffnung ist mein gelebter Traum und existiert seit 2009. Schon früh im Leben war mir klar, dass ich mich Tieren widmen möchte, und so lebe ich mit einer bunten Schar an Hunden, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. Natürlich würden auch andere sog. Klein- oder Haustiere bei mir eine Zuflucht finden, sog. Großtiere kann ich aus Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten nicht aufnehmen, weshalb es bei mir keine Pferde, Rinder oder Schweine gibt. Die bei mir lebenden Tiere und ich leben in einem Haus auf dem Land, idyllisch und ruhig. Ich bin mit Hunden aufgewachsen, sie waren schon immer Teil meines Lebens und ich gestehe, dass ich ihre Gesellschaft liebe, ich würde mich definitiv als „Hundemensch“ bezeichnen. Einen sehr prägenden Einfluss in Hinsicht auf mein jetziges Tun hatte mein allererster eigener Hund   – ein deutscher Hund aus einem deutschen Tierheim, alt, blind, zottelig und das, was man als „Ladenhüter“ bezeichnen kann, ein Hund, wie ihm nur die Allerwenigsten eine Chance geben. Marvin bereicherte mein Leben 2 Jahre lang und hat den Grundstein für alles Weitere gelegt. Marvin war ein Goldstück, trotz seiner Macken. Dass ich es mir mit meinem Lebenshof zur Aufgabe gemacht habe, in erster Linie die alten, chancenlosen, behinderten und nach der Definition mancher vielleicht „wertlosen“ Hunde aufzunehmen, hat viel mit Marvin zu tun. Wie der Name schon andeutet, möchte ich den Hunden eine Chance auf einen schönen Lebensabend geben, die anderweitig wohl kaum bis wenig Chancen hätten, weil sie nicht der Norm entsprechen, weil sie anders sind, weil sie vielleicht mehr Pflege brauchen oder mehr Geld kosten, keine Schönheitswettbewerbe gewinnen würden, man mit ihnen keine sportlichen oder sonstigen Erfolge feiern kann etc. Hier darf jeder sein, wie er ist, ohne menschliche Erwartungen erfüllen zu müssen. Manche Hunde sind nur sehr kurz bei mir, Wochen oder Monate, andere haben Jahre, aber es ist immer die letzte Zeit, und egal, was ihnen im Leben widerfahren ist, ich möchte ihnen zeigen, dass es auch ein anderes Leben gibt, und es lohnt sich immer, selbst für die kürzeste Zeit. Ich nehme vorwiegend sog. „Hospizfälle“ aus dem Ausland auf, war auch selbst schon in ausländischen Auffangstationen und weiß aus eigener Erfahrung um das grenzenlose Elend im Ausland. Immer wieder kommen aber auch Hunde aus deutschen Tierheimen zu mir, damit sie nicht hinter den Gitterstäben eines Zwingers sterben. Und ich würde die Zeit mit diesen lebenserfahrenen Wesen nicht missen wollen. Ich mag die Gelassenheit und die Genügsamkeit von älteren Hunden. 
Ich bin mir bewusst, dass mein tägliches Tun doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber für diese Handvoll Individuen ändert sich alles. Das gibt mir Kraft und Motivation. Man kann einzelne retten!
Die bei mir lebenden Katzen kommen aus diversen Gründen zu mir, z. B. aus dem Ausland, oder es sind besitzerlose Dorfkatzen, die hängenbleiben und von mir versorgt werden, oder schlicht und einfach nichtmenschliche Tiere, die keiner mehr wollte.
Meerschweinchen und Kaninchen halte ich seit Jahren und die Kaninchen leben bei mir ganzjährig in Außenhaltung in einem ca. 17qm großen Gehege, schön strukturiert, mit Ställen als Rückzugsmöglichkeit und einer großen Tanne, die Schatten spendet und Regen abhält. Die Meerschweinchen, bei denen die Böckchen wie bei den Kaninchen alle kastriert sind, leben im Sommer (meist ab Mai) in einem Außengehege, im Winter (meist im Dezember) hole ich sie ins Haus, wo sie im Wintergarten in einem abgegrenzten Areal mit vielen Häuschen und Brücken und anderen Rückzugsmöglichkeiten überwintern. Die Kleintiere werden von mir explizit nicht als Kuscheltiere betrachtet, denn das sind sie nicht. Sie leben unter Artgenossen und ich liebe es, sie zu beobachten, ich kontrolliere sie bei Bedarf und ein Hochheben ist bei der Verabreichung von Medikamenten etc. ebenfalls nötig, aber ansonsten haben sie keinen Kontakt mit meinen Händen, sondern dürfen für sich sein. Diese Tiere mögen es nicht, wenn man sie hochnimmt, und ich respektiere das.
Sie werden artgerecht mit viel Frischfutter (im Sommer Wiese, Kräuter, Gras) und Heu ernährt. Das Leid dieser Tiere macht mich ebenso ohnmächtig und verzweifelt wie das der vielen sog. Straßenhunde im Ausland und in den Sheltern: Kaninchen und Meerschweinchen verkümmern zu Tausenden in deutschen Zimmern hinter verschlossenen Türen, wo sie keiner sieht. Sie sitzen allein in dreckigen, kleinen Käfigen und jegliche ihrer Bedürfnisse werden missachtet. Dagegen möchte ich mit der Aufnahme dieser Tierarten bei mir etwas tun. Sie brauchen Artgenossen so dringend und haben ein so reiches Sozialleben, dass mich die übliche Art der Haltung zutiefst betrübt, weil sie oft nur Unterhalter, Kuscheltier oder lästiges Kinderspielzeug sind.
Ich möchte euch anhand von zwei ganz besonderen Tieren einen Einblick in meine Mitbewohner geben und euch zeigen, dass ich auf finanzielle Unterstützung angewiesen bin. Ich arbeite wegen der Hunde als Teilzeitbeschäftigte und verbringe aufgrund der Tiere einen Großteil meiner Zeit beim Tierarzt. Ich selbst bin Jahrgang 1983 und lebe seit 2001 vegan.

   

Santos

Der blind-taube Dogo-Argentino-Rüde Santos wurde 2004 geboren und ist die absolute „Super-Nase“. Er lebt in einer Welt der Gerüche und kommt hervorragend mit seiner „Behinderung“ zurecht. Als Santos mit 4 Jahren zu mir kam, hatte er Leishmaniose (eine sog. Mittelmeerkrankheit), er ist somit Leishmaniose-positiv, braucht aber keine Behandlung mehr. Santos liebt die Sonne, seinen Sessel, auf dem er schläft, und ist ein ganz normaler Hund, der sich richtig freuen kann und unglaublich schlau ist. Santos hat ein ganz bezauberndes Wesen und ich erstarre regelmäßig in Ehrfurcht angesichts seiner Lebensfreude und seiner Art. Santos steht mir sehr nah und ist für mich nicht der „blinde, taube Hund“, sondern ein ganz einmaliges Wesen. Ihm musste 2009 ein Auge (auf dem er wohl eh nichts sah) entfernt werden, das andere ist zwar vorhanden, aber sitzt viel zu tief in der Augenhöhle, als dass er irgendetwas sehen würde. Santos hat unglaublich weiches Fell.

 

Liesel und Louis
 

Die beiden kamen aus den gleichen Gründen zu mir wie die meisten Kaninchen: als nicht mehr erwünschte „Wegwerfware“. Viele meiner Tiere stammen aus schlechter Haltung: Käfig- oder gar Einzelhaltung, völlig falsch ernährt, manchmal trotz offensichtlicher Symptome nicht tiermedizinisch versorgt. Mir geht das Herz auf, zu sehen, wie sich diese Tiere bei mir wohlfühlen und das Leben unter Ihresgleichen genießen. Liesel und Louis hatten Glück, hunderttausende sitzen weiterhin vernachlässigt und missverstanden in irgendwelchen nicht artgerechten Ställen, Käfigen und leiden still vor sich hin. Liesel und Louis sind beide Anfang 2013 geboren. Liesel ist das wildfarbene Kaninchen, Louis ist weiß mit blauen Augen.

 


Raffaela