Free Animal e.V.

Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.

Große Freiheit

 

Nach intensiver Planung und langer Objektsuche konnte die Idee von einem Lebenshof für Tiere umgesetzt werden. Parallel dazu wurde der als gemeinnützig anerkannte Tierrechtsverein Themis e.°V. gegründet. Zweck des Vereins ist in erster Linie die aktive Arbeit zur Förderung des Rechts der Tiere. Zusätzlich soll der Tierrechtsgedanke an die breite Öffentlichkeit getragen werden. Weiterer wichtiger Vereinszweck ist der Aufbau von Lebenshöfen für Tiere. Vereinssitz von Themis ist das Ostfriesische Rhauderfehn, wo sich auch der Tierrechtshof „Große Freiheit“ befindet.

Den Anfang machte vor einigen Jahren der Kater Merlin im 250 Kilometer entfernten Hamburg.

Reinrassiger Perserkater, Leukose-positiv, sucht dringend ein neues Zuhause.“ So lautete damals der Aufruf des Hundeschutzvereins Neu Wulmstorf für Merlin. Der Kater wurde vom Verein als „Trennungsfall“ aus einer Wohnung geholt; die Frau, die sich zwei Rassekatzen angeschafft hatte, verließ ihren Partner und ließ die Tiere zurück. Der Mann hatte kein Interesse an „ihren“ Tieren. Als Merlin endlich zum Verein kam, war er abgemagert, verwurmt, verfloht, sein Fell war stark verfilzt. Seine Schwester war bereits in der Wohnung gestorben. Merlin wurde vermittelt. Er fand ein neues Zuhause bei mir in Hamburg und lebte nach und nach auf. Es war schön, miterleben zu dürfen, wie ein Tier, das in seinem Leben viel Schlechtes durchmachen musste, wieder neue Energie und Lebenslust entwickelt. Vier Jahre konnte Merlin sein Leben in Hamburg genießen. Ich bin seit Jahrzehnten aktive Tierrechtlerin und weiß um die immer wieder stattfindenden, hitzigen Diskussionen rund um die Lebenshöfe, auch Gnadenhöfe genannt. Was bin ich, wenn ich ein Tier aufnehme, wie damals Merlin, ihn in meine Wohnung sperre, ihm tote Tiere zu essen gebe und somit die Tierausbeutungsindustrie unterstütze? Befriedigt er meine Bedürfnisse nach Streichel- und Schmuseeinheiten? Hab ich so ein Bedürfnis? Ist er bloß das Mittel zum Zweck, ein Lebewesen von mir abhängig machen zu können? Will ich das überhaupt? Bewusst oder unbewusst? Wie groß ist Freiheit? Sind es 45 qm? Das Doppelte? Oder die große Freiheit Hamburgs als Revier für den Kater Merlin? Was ist mit seiner Leukose, dem Virus, das ansteckend ist. Müssen die Viren nicht eingesperrt bleiben? Zum Schutz anderer Tiere? Diese und viele andere Fragen stehen im Mittelpunkt der bereits erwähnten Diskussion. Und ich bin mir ihrer theoretischen Brisanz durchaus bewusst. Was mir als aktive Tierrechtlerin allerdings auch bewusst ist und was mich im Leben zu Aktionen antreibt, oftmals auch ohnmächtig zurücklässt, sind die vielen Individuen, ihr immer wiederkehrendes tägliches, individuelles Leid, verursacht durch die vielen verschiedenen Formen der Ausbeutung durch den Menschen. Ich demonstriere mit Flugblättern und Transpis vor Orten, an denen die Ausbeutung der Tiere stattfindet; vor Versuchsanstalten, Pelzläden, Zoos usw. Ich schreie. „Menschen haben Rechte. Tiere auch!“ „Hände weg von Tieren!“, „Artgerecht ist nur die Freiheit!“. Schreibe Artikel über Ausbeutungsformen. Informiere. Kläre auf. Lebe vegan. Und das Tier? Merlin war eines der Tiere. Von der Tierzuchtindustrie nach aktuellen Schönheitsidealen krankgezüchtet, erst ausgebeutet als Haustier, dann zurück gelassen und vergessen. Merlin hätte ein Transpi nicht geholfen, weder ein Artikel noch eine Diskussionsveranstaltung hätte gereicht. Damals wuchs der Wunsch in mir, mehr Raum und mehr Geld zu haben, um Tieren wie Merlin ein besseres Leben bieten zu können. Ein Leben ohne Ausbeutung, ohne Ängste und Zwänge. Ein Leben in größtmöglicher Freiheit. Ein Haus musste her. Mit Land. Ein Verein, der sowohl den Tierrechtsgedanken vertritt und verbreitet als auch Spendengelder für Tiere sammeln kann. Verein und Hof sind gegründet. Mittlerweile leben auf dem Tierrechtshof „Große Freiheit“ zahlreiche Tiere mit ihren unterschiedlichen Lebenshintergründen, einige möchten wir hier vorstellen.

Clarissa Scherzer und
Manuela Scherzer-Brosch

 

Zeitgleich mit Max wurde Daisy aufgenommen. Sie ist fünf Jahre alt. Was sie bisher erlebt hat, ist nicht bekannt. Sie kam als Gesellschaft für Flocke, damit sich die beiden aneinander gewöhnen könnten, noch bevor Taiga stirbt. Daisy ist kopfscheu. ein Hinweis darauf, dass sie vermutlich geschlagen wurde. Dennoch ist sie sehr anhänglich, aber auch selbstbewusst. Sie hat auf der Weide gleich die Leitung übernommen. Sie wurde nicht „eingeritten“. Das soll auch so bleiben.

Und Daisy kam auch nicht allein. Am 27. April 2014 hat sie ein Fohlen Frippe zur Welt gebracht. Es ist ein kleiner Hengst, gesund und munter, der von Anfang an frei von Ausbeutung leben kann.  

Max stand fast drei Jahre lang allein in einem dunklen Verschlag (5 x 4 Meter). Der Besitzer rechtfertigte sich, er könne Max nicht mehr einfangen, wenn er auf der Weide läuft. Er sei beim Vorbesitzer mit Brettern geschlagen worden und deshalb so scheu. Er bekam Max, als er ein Jahr alt war. Dann ließ er ihn Jahr für Jahr im Verschlag, ohne sich um ein besseres Zuhause für ihn zu kümmern. Als wir fragten, ob wir Max bekommen können, war er sichtlich erleichtert. Er schenkte uns Max. Er sollte nicht beim Schlachter landen. Das Aufhalftern und Verladen war für alle aufregend und stressig. Am meisten für Max. Wir merkten seine Angst. Trotzdem war er nicht aggressiv. Als wir ihn nach einer kurzen Fahrt endlich auf unsere Weide lassen konnten, sahen wir, wie sehr Max die Freiheit vermisste. Er galoppierte Runde um Runde ausgelassen über die Weide. Daisy an seiner Seite. Die Ziegen tobten ausgelassen mit. Es ist herrlich, so viel Lebensfreude zu sehen!