Free Animal e.V.

Ein Tier zu retten verändert nicht die Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.

Die Tiere aus dem Lübecker Tierpark
Viele von euch wissen, dass der Tierpark 2010 geschlossen wurde. Zu dem Zeitpunkt lebten dort noch ca. 120 Tiere., deren Verbleib größtenteils ungewiss war. Von 38 nicht menschlichen Lebewesen wissen wir es genau, Free Animal e. V. hat sie aus dem Zoo herausgeholt und übernommen. Der Ankauf sowie Transport- und die ersten Tierarztkosten wurden durch Spenden (privat und von Tierrechtsorganisationen) finanziert. Wir möchten euch die Tiere vorstellen, die jetzt auf den Free-Animal-Höfen leben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Kastration bei allen männlichen Tieren, Verwurmung, Wassermangel usw.) geht es allen heute gut. Sie haben sich sehr schnell eingelebt und es sieht so aus, als wenn sie ihr „neues“ Leben" genießen.
Viele meinten zur der Zeit, wir hätten uns übernommen oder aber der „Reichtum“ sei auf den Höfen ausgebrochen. Beides war nicht der Fall, wir alle fühlten uns verpflichtet, den Tieren zu helfen. Sie waren allesamt nur in diesem Tierpark gewesen, wurden begafft und ausgestellt. Wir konnten nicht Nein sagen. 


Eberhard, Inga und Ludwig, 2 Wollschweineber und Inga, eine schon sehr alte und herzkranke Hängebauchschweinedame, kamen Anfang Mai zu Pferdeglück e. V. Eberhard und Ludwig waren sofort zu Hause. Sie verteidigten ihr Revier, teilweise ziemlich aggressiv. Die Erklärung folgte schnell. Beide waren nicht kastriert. Bei älteren Ebern bedeutet Kastration ein großes Risiko. Da bei Eberhard noch ein alter Leistenbruch festgestellt wurde, der mit dem Darm verwachsen war, machte sich Angst breit. Vier Tage später war es dann so weit. Christiane half bei der OP und Ludwig und Eberhard erholten sich überraschend schnell. Karlchen war wieder der „Boss“ und wir merkten, wie sehr die drei die Suhlecke, den Auslauf und vor allen Dingen Wasser genossen. Inga hatte nach dem Transport von Lübeck nach Prezier starke Schwierigkeiten. Wie sich bei der späteren tierärztlichen Untersuchung herausstellte, war sie herzkrank und um einiges älter als Eberhard und Ludwig. Sie brauchte einige Tage, um sich zu erholen, lebte dann aber auf. Sie folgte Christiane auf Schritt und Tritt und fühlte sich „sau“wohl, jedes Leckerchen gehörte ihr. Dann Anfang August morgens der Riesenschock: Inga lag eingekuschelt, ganz friedlich im Stroh, welches sie sich jeden Abend zurechtgezupft hatte. Sie war für immer eingeschlafen. Vielleicht lag es am schwülen Wetter, vielleicht war es das Alter oder das Herz, wir wissen es nicht. Wir wissen nur, sie hat wahrscheinlich die besten drei Monate ihres Lebens auf Pferdeglück gehabt. Wir trauern noch heute und es ist schwer zu verstehen, dass sie nicht länger bleiben konnte. Eberhard und Ludwig sind in der Zwischenzeit auf den Pferdeschutzhof Süthen umgezogen.

Pan, Seraphina und Gwyna
Das Erlebnis meines Lebens. Ich (Angelika) kenne mich mit Ziegen überhaupt nicht aus, musste sie aber selbst aus Lübeck abholen, weil Eile geboten war. Also mietete ich einen Transporter, Gaby und ich packten ihn vor Ort mit Stroh und Heu aus und fuhren zum Tierpark. Ich wusste nicht, dass Ziegen so schreien können. Ich stand wie gelähmt, als sie eingefangen wurden, unfähig mich zu rühren. Ich war kurz davor, die ganze Aktion abzublasen. Als Erster kam der kleine Ziegenbock, Pan. Er schrie so jämmerlich, es war furchtbar. Es dauerte gefühlt ewig, bis noch weitere zwei Ziegen im Auto waren, erst dann beruhigte sich Pan. Unterwegs hielten wir mehrmals an, um den Ziegen Wasser zu geben, wollten sie aber nicht. Sie lagen aneinander gekuschelt, fraßen ein wenig Heu und beobachteten uns. Ich hatte totale Panik, dass mir ein Tier während des Transportes sterben könnte. Daher war ich mehr als erleichtert, als ich den Hof der Stellichter erreicht hatte. Die drei wurden erst mal in einem Holzhaus auf der Ziegenweide untergebracht, die anderen Ziegen sollten sie erst am nächsten Tag kennen lernen, auch weil Pan wie alle anderen männlichen Tiere in Lübeck nicht kastriert war. Nachwuchs können wir uns auf den Höfen nicht erlauben. Auch die drei lebten sich schnell ein, sind nach kurzer Zeit mit den anderen nach draußen gegangen und Pan wurde kastriert. Bis heute schreit er jämmerlich, wenn er seine beiden Schwestern aus den Augen verloren hat, die sich dann auch noch am Schreien beteiligten. Es scheint einfach die Art dieser Ziegen zu sein. Eine glückliche Dreierbande, die mit den anderen Ziegen super auskommen.


Flocke und Taiga

Am 30.5. holte Free Animal e.V. Taiga, eine 34-jährige Ponystute, und Flocke, einen 8-jährigen Hengst, nicht kastriert, aus dem Tierpark. Gesundheitlich waren sie einigermaßen ok, nur sehr verwurmt und die Hufe nicht gerade gut gepflegt. Diese beiden kamen auch erst zu Pferdeglück, um aufgepäppelt zu werden und vor allen Dingen musste Flocke kastriert werden. Auf Pferdeglück wurde der Unterstand für das Heu umgebaut, damit die beiden Kontakt zu den Eseln und anderen Pferden haben konnten.
Flocke wurde eine Woche später kastriert. Leider entzündete sich die Wunde und wir mussten 5- bis 6-mal am Tag spülen und desinfizieren. Nach fünf Tagen war dann alles gut verheilt. Für die beiden wurde ein Equidenpass (Status: Nichtschlachttier) beantragt und sie wurden gechipt.

Auch sie fühlten sich nach kurzer Zeit wohl, allerdings sollten sie nicht auf Pferdeglück bleiben. Es war geplant, sie zu Clarissa auf den Lebenshof Große Freiheit zu bringen. Der Transport von Lübeck bis Rhauderfehn wäre zu weit gewesen an einem Tag, da beide noch nie in einem Transporter gewesen waren und wir auch sicher sein wollten, dass Taiga alles gut übersteht. Nach ca. vier Wochen konnten sie dann aber in ihr endgültiges Zuhause. Auch bei Clarissa haben sie sich schnell eingelebt und kommen mit den Ziegen dort bestens aus. Taiga verstarb im Alter von 38 Jahren im Dezember 2014.


Die Frettchen

Die Frettchen waren wohl die vernachlässigsten Tiere, die wir aus dem Tierpark holen konnten. Da auf den Höfen keine Frettchen aufgenommen werden können, war es ein Problem, überhaupt Plätze zu finden. Dank der OG Düsseldorf der tierbefreier e. V. fanden wir Plätze bei „Frettchen vom Deich“, ein Glücksfall. Am 6.8.2011 holten Sabine und ihr Mann die Frettchen direkt in Lübeck ab. Am 9.8.2011 war der erste Tierarztbesuch von drei Frettchen, mit schlimmem Ergebnis, der erste Eindruck bestätigte sich. „Opa“ Iltis hatte Hautpilz, eine Augenentzündung, war nicht kastriert, nicht geimpft oder gechipt, was bei allen acht Tieren der Fall war. „Oma“ Albino hatte eine Verkapslung oder einen Tumor im Unterleib. Ein Iltis-Rüde hatte am Geschlechtsteil einen dicken Tumor, ob dieser schon gestreut hatte, konnte mensch beim Tierarztbesuch noch nicht sagen. Am nächsten Tag wurden die anderen fünf Frettchen tierärztlich untersucht, drei Rüden wurden kastriert. Der Iltis-Rüde mit dem Tumor musste vor Ort eingeschläfert werden, es gab keine Hoffnung mehr. Er war vor lauter Schmerzen auch sehr aggressiv und biss nur um sich. Bei Kastration der Albino-Fähe wurde festgestellt, dass die Eierstöcke und Zitzen schon voller größerer Tumore waren. Sie wachte nicht wieder auf. Eine Iltis-Fähe war in der 3. – 4. Woche schwanger, sie bekam die Jungen. Fast alle Frettchen wurden in gute Hände vermittelt, einige blieben bei Frettchen vom Deich.


Valentino
Wir waren in den ganzen Wochen und Monaten davon ausgegangen, dass wir auch die drei im Juli noch im Tierpark Lübeck lebenden Ponys bekommen. Plätze haben wir gehabt. Leider war das nicht so. Zwei waren in der Zwischenzeit an jemand anders verkauft worden ohne uns zu informieren, und Valentino war über Wochen alleine in Lübeck geblieben. Alleine heißt in diesem Fall, überhaupt keinen Kontakt mehr zu irgendwelchen Tieren, also allein, allein und noch mal allein. Für ein Herdentier eine absolut schlimme Situation und auch für uns eine Horrorvorstellung. Nachdem uns zugesagt wurde, dass wir ihn holen können, haben wir keine drei Tage gewartet. Wir organisierten den Transport durch einen Bauern gleich neben dem Tierpark, selbst er wollte gleich am nächsten Tag fahren, da die Situation für Valentino nicht zu ertragen war. Valentino ist ein kleiner, sehr temperamentvoller Ponywallach,  der total vergisst, dass er ein Pony ist und jede Stute anflirtet, die doch mehr als irritiert gucken. Die unerträgliche Einsamkeit in Lübeck hat er hinter sich gelassen. Auch für ihn wurde der Equidenpass beantragt und er wurde gechipt. Valentino lebt auf dem Pferdeschutzhof in Süthen und ist mittlerweile "Chef" über fünf Ponydamen.


Die Kaninchen
Trotz aller Unkenrufe seitens einer Tierrechtlerin aus Lübeck, dass Free Animal die weiteren Ankäufe der restlichen Tiere im TP Lübeck gefährden würde, was wir nie getan haben, und unser Verhalten nicht dem Tierrechtsgedanken entsprechen würde (den mensch natürlich erst mal selbst verstehen muss, um ihn Free Animal abzusprechen) – das alles, weil wir auf Facebook mit Bildern der Tiere aus Lübeck an die Öffentlichkeit gegangen waren – holten wir, wie mit dem Tierparkbetreiber schon lange vor den Unkenrufen abgesprochen, am 2.9. alle zwölf Kaninchen dort weg. Es waren eine „Deutsche Riesen“-Familie, Vater, Mutter und acht Welpen im Alter von vier Wochen, sowie ein weißes Zwergkaninchenpaar (wie sich herausstellte, war die Häsin schwanger und bekam zwei Kleine). Alle waren in einem verhältnismäßig guten Gesundheitszustand, hier und da eine zu lange Kralle. Der Transport war natürlich Stress pur für die zwölf, zumal die Familie dafür getrennt werden musste. Alle haben es trotzdem gut überstanden, nach zehn Minuten im neuen Zuhause wurde gleich am frischen Gemüse und an Gräsern gemümmelt, die Familie wieder zusammen in einem großen Stall untergebracht und wir hofften, die Kaninchenwelt war wieder in Ordnung. Die Kaninchen wurden vorübergehend auf Pferdeglück untergebracht, bis der Transport zu Raffaelas Endstation Hoffnung stattfinden konnte. Leider verstarben in den letzten zwei Jahren alle „Deutschen Riesen“ und alle weißen Kaninchen. Tierärzte stellten Immunkrankheiten fest, vermutlich bedingt durch Inzucht. 


Die letzten 6 Ziegen
Am 5.9. wurden die letzten verbleibenden fünf Ziegen und ein Ziegenbock geholt. Sie wurden vorübergehend bei einem veganen Schäfer untergebracht, wo sie allerdings wieder wegen extrem schlechter Haltung abgeholt werden mussten. Damit hatten wir nicht gerechnet, aber auch vegane Menschen sind, was nicht menschliche Lebewesen angeht, nicht immer vertrauenswürdig. Die Tierschutzgemeinschaft Stellichte erklärte sich bereit, die Ziegenfamilie wieder zusammenzubringen. Mit erheblichem Stress, Aufwand und Wut im Bauch holten wir einige Monate später den Rest der Ziegenfamilie in der Nähe von Harburg wieder ab. Der Zustand war schlimm, Snowy war stark abgemagert, hatte fast das ganze Fell verloren und alle Ziegen waren verängstigt, ungepflegt, es stand nicht mal frisches Wasser zu Verfügung. Während der Fahrt zu den Stellichtern saß die Angst auf dem Beifahrersitz. Würden sie es alle schaffen, wie wird das Wiedersehen mit Pan, Seraphina und Gwyna? Alle 20 Minuten schauten wir nach. Nach gefühlten 5 Stunden waren wir endlich bei den Stellichtern angekommen, die alles super vorbereitet hatten. Die sechs kamen auf eine neue Weide, erst mal abgetrennt von den anderen Ziegen. Allerdings kam schnell Unruhe auf, da Pan, Seraphina und Gwyna und die sechs Neuankömmlinge sofort spürten, dass die Familie wieder vereint war. Nach kurzem Überlegen wurden die Gatter geöffnet, die Spannung war unerträglich. Was würde passieren? Würde es eventuell unter den beiden Ziegenböcken Krach geben? Nichts dergleichen, sie begrüßten sich, die spielerischen Rangeleien gingen sofort los, alle neun waren glücklich sich wieder zu sehen und zu haben. Wir konnten nur noch heulen. Bis heute leben alle in Freiheit in der Ziegenherde bei den Stellichtern. Snowy erholte sich langsam von den Strapazen, hat wieder glänzendes Fell und an Gewicht zugenommen.

Nach diesen ganzen Aktionen galt unsere Sorge den zwölf verwilderten, teilweise jedoch zutraulichen Katzen, die noch im TP Lübeck lebten. Um diese kümmert sich laut Auskunft des ehemaligen Tierparkbetreibers eine Katzenhilfe in Lübeck. Wir haben bei den letzten Besuchen Katzenfutterspenden dort gelassen, wie auch zuvor Heu- und Strohspenden gemacht, da die Versorgung aus finanziellen Gründen dort nicht mehr optimal war.

Die Tiere aus dem Tierpark rauszukriegen, war eine aufwendige, stressige, anstrengende Aktion. Wir möchten an dieser Stelle allen danken, die uns geholfen haben, die Tiere aus Lübeck zu holen. Jeder auf die ihm mögliche Art und Weise. Danke an den „Mittelsmann“, die FahrerInnen, Lift Lübeck, die neuen PatInnen für die Lübecker Tiere, die OG der ierbefreier e.V. Düsseldorf und Frettchen vom Deich, die SpenderInnen, die es finanziell möglich gemacht haben, Clarissa vom Lebenshof Große Freiheit, die TSG Stellichte und alle anderen Beteiligten.


Die noch lebenden Tiere suchen jetzt Paten und Patinnen, damit die weitere Versorgung und ihr neues Zuhause sicher und gewährleistet sind.
Überlegt bitte alle mal, ob ihr nicht doch monatlich 3 oder 5 Euro „opfern“ und eine Patenschaft übernehmen könnt.Die Bilder zeigen einige der Tiere bei Ankunft und wie sie heute aussehen und vor allen Dingen den leeren Tierpark, so soll es aussehen!