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Vereinsaktivitäten

Emma

Anfang August ging bei Free Animal ein Notruf aus Lanzarote ein. Eine Tiernotstation hatte eine American Bulldog Hündin gemeinsam mit einem Pudelmädchen aufgenommen. Beide waren an eine Leitplanke angekettet aufgefunden worden.

Die Tiere hingen sehr aneinander und wurden somit gemeinsam vermittelt. Das Pudelmädchen durfte dort bleiben. Die American Bulldog Hündin, nämlich Emma, wurde noch am selben Tag zurückgebracht, weil sie nicht stubenrein und etwas wild war. Emma, die darauf verstört reagierte, galt in Lanzarote somit schnell als unvermittelbar und sollte eingeschläfert werden. Bis dahin fristete sie ungefähr 4 Wochen ein jämmerliches Dasein im Zwinger. Da Emma angeblich nicht einzuschätzen war, durfte sie nicht mit den anderen Hunden spielen und bekam nur 0,5 Std. Freilauf pro Woche. Wenige Tage vor Emmas Tötungstermin wurde eine Tierschützerin auf ihr Schicksal aufmerksam und erwirkte unter der Bedingung dass sie für Emmas Futter sorgte, einen Aufschub von 3 Tagen.

Trotz aller Bedenken hinsichtlich der Aufnahme von Tieren aus dem Ausland entschied sich der Vorstand von Free Animal e.V. für Emma. Sie sollte nur eine Nacht bei mir bleiben und dann wollte sich ein Freund um sie kümmern, bis ein liebevolles Zuhause für sie gefunden war.
Am 12.08.03 um 22:45 Uhr war es dann soweit und wir standen auf dem Flughafen parat um die Kleine in Empfang zu nehmen. Eine Touristin hatte sich bereit erklärt, Emma auf ihren Namen einzufliegen, aber wir waren voller Sorge, dass es Probleme mit dem Zoll geben könnte. Um 00:00 Uhr war alles ausgestanden, und wir konnten Emma aus der Transportbox ins Auto tragen. Sie war noch ganz konfus von den Beruhigungstabletten die man ihr für den Flug gegeben hatte. Nachdem sie einen großen See in meinem Wohnzimmer und einen Haufen auf dem Flur gelassen hatte, wollte sie nur noch mit ins Bett und sich ausschlafen.

Am nächsten Morgen führte uns der erste Weg zum Tierarzt. Emmas Krallen waren unglaublich lang und sie war ein bisschen unterernährt, sonst war erst mal alles in Ordnung. In ihrem ca. 3-jährigem Leben hat Emma offenbar noch nie mit Menschen unter einem Dach zusammengelebt. Sie war nicht stubenrein, klaute mit viel Raffinesse alles was für sie erreichbar war, konnte nicht an der Leine gehen und kannte natürlich auch keinerlei Hörzeichen, egal in welcher Sprache. In ihren Augen stand die Frage: "Darf ich bei dir bleiben?" Ich wollte eigentlich keinen Hund mehr haben; jedenfalls nicht jetzt. Dennoch hatte ich Emmas Charme und ihrer überschwänglichen Liebe nichts entgegen zu setzen. Was denn auch?

Emma kam eigentlich als geimpft, entfloht und entwurmt eingeflogen. Trotzdem ringelten sich einen Tag später zahlreiche dicke weiße Würmer aus einem ihrer Haufen im Wohnzimmer. Noch mal Tierarzt, noch mal Entwurmung..... Kurz darauf fing sie an sich zu kratzen und an den Pfoten zu knibbeln. Flohtest negativ. Wieder Tierarzt, schon wieder Chemokeule. Dieses Mal gegen Milben.
Die vergangenen 3 Wochen waren für Emma sehr anstrengend und sie muss viele neue Eindrücke verarbeiten. Ein Zuhause in einer ganz anderen Umgebung, Stadtgeräusche, Menschen, die sie lieb haben aber auch Forderungen an sie stellen und als Krönung einen wunderschönen Rüden namens Pablo, der sich von Emmas kleinen Eifersüchteleien nicht beeindrucken lässt.

Für die Resonanz einiger Mitmenschen auf meine Süße werde ich mir ein etwas dickeres Fell anschaffen müssen. "Sagen Sie mal, haben Sie sich jetzt etwa auch einen von diesen Kampfhunden angeschafft? Muss der denn gar keinen Maulkorb tragen?". Vor kurzem kam uns draußen ein Mann mit seiner kleinen Tochter entgegen. Der Mensch sah Emma und mich, riss das kleine Mädchen am Arm vom Bürgersteig auf die Straße und machte einen weiten Bogen um uns herum. Seitdem kommentiere ich derartige Reaktionen mit einem möglichst ruhigem: "Heute hat sie schon gefressen". Ein noch dickeres Fell brauche ich für den Ordnungsdienst, oder besser gesagt, Hundekontrolldienst der Stadt Hamburg. Gestern kamen zwei dieser Sheriffs quer über eine Wiese hinter uns hergerannt und forderten mich auf, Emmas Papiere vorzuzeigen. Emma ist kastriert, gechipt, verhaltensunauffällig, steht auf keiner Rasseliste und war kurz angeleint. Ich hatte den Impfpass (mit Rassebestimmung) sowie die Anmeldung zur Hundesteuer dabei. Ohne diese Unterlagen wäre Emma beschlagnahmt worden und wieder im Zwinger gelandet, denn die beiden angeblich fachkundigen Rambos zweifelten die Rassebestimmung an und haben mir eine Frist gesetzt in welcher ich beim Amtsveterinär vorstellig werden muss. Ich sehe mich gezwungen, Hilfe bei einem Anwalt zu suchen, um Emma behalten zu können. In dieser angeblich so weltoffenen Großstadtmetropole gelten "Kampfhunde" nach wie vor als Abschaum ohne jegliche Existenzberechtigung. Wenn's optimal für diese Tiere läuft werden sie geduldet, ansonsten sehen die sauberen Hanseaten sie viel lieber tot als lebendig.

Ich möchte meine Emma nicht mehr missen und freue mich an jedem neuen Tag über meine Entscheidung. Inzwischen ist sie seit 3 Wochen bei mir, entspannt sich sichtlich und lernt vertrauen. Sie entdeckt und erobert jeden Tag ein Stückchen mehr von ihrer neuen Welt, und es ist wunderschön sie dabei zu begleiten.

Angela Witkowsky
Hamburg, September 2003








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