Für das Projekt „Befreite Tiere“ hatten wir im Laufe des letzten Jahres ein kleines Eckchen gebastelt, um befreiten Tieren, die bis zu ihrem neuen Zuhause eine lange Wegstrecke vor sich haben, eine Art Verschnaufpause geben zu können.
Irgendwann Mitte November 2003 wurden wir gefragt, ob wir nicht für 2 bis 3 Wochen ein Huhn aufnehmen können, das bei einer Befreiung auffiel. Dieses Huhn hatte nicht eine einzige Feder mehr und hätte vermutlich nicht mehr lange zu leben gehabt. Da wir ein Gästezimmer haben, sagten wir natürlich zu, liehen uns einen großen Kaninchenkäfig und legten eine Plane in das Zimmer. Und da war sie dann ein paar Tage später, ein Häufchen Elend, völlig nackt wie ein „gerupftes“ Huhn kam sie in einer Transportbox nachts bei uns an. In Anlehnung an meine Mutter nannten wir sie Herta und Herta lernte in den ersten Tagen ihrer Freiheit, dass es sehr viel zu entdecken gibt.
Nach 4 Wochen hatte sie immer noch keine Federn, hatte sich aber schon mit der Wohnung vertraut gemacht und Karin wurde ihre Bezugsperson, ich dagegen der Mann fürs grobe. ;-)
Da hier noch zwei Katzen herumtoben, war Anfangs ein wenig Vorsicht angesagt, aber im Laufe der Zeit entwickelte sich tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft zwischen der Candy Katze und Herta Huhn. Candy schlief bei Herta und war auch sonst immer gern in ihrer Nähe.
Es dauerte nicht lange, bis Herta ein Mitglied der „Familie“ war, und Anfang Januar hatte sie schon einige Federn bekommen. Das (saubere) Katzenklo wurde als Sandbad „zweckentfremdet“ und Herta fühlte sich im Laufe der Wochen sichtlich wohler und blühte auf.
Der Winter dauerte sehr lange und war bei uns auf dem Land sehr kalt, mittlerweile war auch klar, dass Herta noch einige Zeit bei uns leben würde und eine Vermittlung nur innerhalb von ca. 100 Metern möglich wäre. Herta gehörte im Laufe der Zeit zu uns wie die Katzen, sie wegzugeben war eigentlich schon am ersten Tag undenkbar.
Im April begann ich den Stall zu bauen. Dank der Hilfe von einigen Privatpersonen und dem Verein Free Animal e.V., der sich als Pate für Herta bereit erklärt hatte, wurde er dann am 17. Juni fertig.
In der folgenden Nacht wurden dann noch von dem Projekt „befreite Tiere“ 4 Schwestern von Herta befreit und durften dann als erste am sehr frühen Morgen einziehen. An ihrem ersten Tag in der Freiheit (auch wenn es erst nur ein Stall mit einem vielfachem ihrer „bisherigen Wohnfläche“ war) waren sie noch sehr scheu. Am Mittag kam Herta dann dazu, aber sie inspizierte sofort die Gegebenheiten, testete ausgiebig den Sandkasten und die kleinen Kuschelecken.
Im Laufe der nächsten Tage wurde erst einmal
die Hackordnung festgelegt, aber das geschah ohne größere
Hauereien.
An schönen Tagen können die Hühner
unter Aufsicht raus, da ein Fuchs und ein Bussard ansässig
sind. Seit ein paar Tagen haben wir hier Zaunmaterial liegen
und wir hoffen, mit ein paar Freunden bald einen Schutz
für die fünf Freundinnen zu bauen. Herta ist unser
Schatz und auch etwas besonderes, da sie das Glück hatte,
als kurz vor dem sicheren Tode gerettetes Huhn, ein schönes
neues Zuhause zu bekommen. Mittlerweile sieht auch wieder wie
ein Huhn aus, aber die Gefangenschaft hat deutliche Spuren hinterlassen.
Ihre Schwanzfedern werden wohl nicht nachwachsen, wie auch die
Federn am Popo. Lara ist die mutigste, sie geht gern los und
inspiziert die Umgebung, Dörthe ist das Schmusehuhn, sie
mag gern kuscheln. Dann sind da noch die Wilma und die Uschi,
sie verhalten sich relativ unauffällig, aber wenn´s
ums Essen geht, sind sie mit die ersten an der Essensschale.
Herta starb am 22. Juni 2005 - wir werden sie immer vermissen.