Im September 2008 kam Cora, eine 13 Jahre alte Schäferhündin, zu uns. Ihr Herrchen verstarb, Frauchen musste ins Pflegeheim und Cora sollte ins Tierheim oder eingeschläfert werden. Das allein klingt schon traurig genug, aber wir sollten noch viel Schlimmeres erfahren. Beim Abholen stellten wir fest, dass Cora in einem vielleicht 20 m² großen Innenhof, der rundum von hohen Mauern umgeben ist, ihr Dasein fristete. Ihr Schlafplatz bestand aus einem in die Mauer geschlagenen Loch und einer Erdhöhle. Ins Haus durfte sie nie. Cora wurde wohl ausreichend mit Futter und Wasser versorgt, ihr Impfpass ist lückenlos und sie verfügt über einen beachtlichen Stammbaum bis hin zu Ur-Urgroßeltern, aber ein artgerechtes Hundeleben gestand man ihr nicht zu. Hier angekommen, starrte sie fassungslos auf den großen Hof ohne Mauern und die umliegenden Felder. Man sah in ihrem Blick regelrecht die Frage: „So groß ist also die Welt?“ Im Laufe der nächsten Tagen war deutlich zu sehen, dass Cora mit soviel Freiheit überfordert war, weder Kontakt zu anderen Hunden noch zu Menschen suchte. Das ist erschütternd und treibt einem die Tränen in die Augen. Im Nachhinein kommen immer mehr Horrorgeschichten ans Tageslicht. Cora wurde wohl auch mit in die Dorfkneipe genommen, solange geprügelt, bis sie das Vorderbein gestreckt zum „Hitlergruß“ hob, und wir wunderten uns über dieses Verhalten. Parierte sie nicht wie gewollt, wurde sie in eine Grube, über der Autos repariert wurden, geschmissen und musste dort bleiben.

Das Dorf wusste alles, schaute zu, hielt den Mund, drehte sich um! Es ist schwer, diese Gesellschaft überhaupt noch zu ertragen.
Cora macht langsame Fortschritte und ist jetzt auf dem besten Wege, ihr neues Leben zu genießen. Viel dazu beigetragen hat Ferkel Betty! Mit ihr tollt sie herum und entwickelt Mutterinstinkte. Cora lässt sich geduldig von Betty an den Ohren knabbern oder am Fell zupfen. „Verschwindet“ Betty unters Stroh, versucht Cora sie in den Nacken zu packen und herauszuziehen, genauso wie sie es bei einem Welpen machen würde. Zwischen den beiden ist eine herrliche Tierfreundschaft entstanden!
Cora verstarb im Juni 2009
Cora schlief im Juni 2009 friedlich auf der Couch ein. Wir hätten ihr viele schöne Jahre bei uns gewünscht, leider spielte das Schicksal nicht mit. Wir sind sicher, die 9 Monate bei uns waren die glücklichsten in ihrem Leben.