|
Ein ganz normaler Tag auf PferdeGlück
Ich möchte einmal einen „ganz normalen“ Tag auf unserem Lebenshof schildern, viele Menschen können sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie so ein Tag aussieht, z.B. der 2. November 2011.

Valentino im Glück
4:45 Uhr
Um 4.45 Uhr klingelt der Wecker. Für mich jedes Mal absolut ätzend, obwohl es seit Jahrzehnten so ist. Von unseren zehn Hunden springen lediglich vier sofort vom Bett auf. Die anderen sechs zucken nicht mal mit der Wimper. Diese Uhrzeit ist in ihren Augen voll daneben, also auf dem Bett liegen bleiben, an meinen Mann kuscheln und weiterschlafen.
Die vierbeinige Frühaufstehertruppe steht an der Schlafzimmertür und wartet ungeduldig aufs Öffnen derselbigen, um dann, wie jeden Morgen, mit ungeheurem Gekläffe die Treppe herunterzurasen und sämtlichen Katzen im Umkreis den ersten Schock zu versetzen. Durch den Flur in die Küche, von dort in den Wirtschaftsraum und dann - juchhu, Dorf wach auf! - mit lautem Gebell raus auf den Hof und einmal jubilierend übers ganze Grundstück.
Nun bin ich tatsächlich wach, nicht munter, aber eingeschaltet . . . und fülle als erstes alle Wasserschüsseln auf, schaue aufs Katzenfressbrett, stelle fest, dass (mal wieder) alle Schüsseln leer sind (letzte Füllung war um 22.30 Uhr !), nehme die Schüsseln, stelle sie in die Spüle zum Einweichen und gehe endlich ins Bad; es ist 5.00 Uhr.
5:00 Uhr
Ich wasche dann die Schüsseln aus und fülle das erste Katzenfutter des Tages ein, stelle eine frische Schüssel mit Trockenfutter und frisches Wasser dazu. Dann kontrolliere ich den Küchen- und Aufenthaltsraumfußboden, denn natürlich haben unsere Katzenbabys auch in dieser Nacht alles was sie wundervoll finden hereingeschleppt, als da wäre: bunte Herbstblätter, reichlich Moos vom Dach, Enten- und Gänsefedern, Heu und Stroh, Blumen und kleine Steine und heute auch noch zwei tote Mäuse. Ich sammele das Gröbste ein, wische zwei kleine Urinlachen weg und kann jetzt endlich meine Wäsche holen und duschen.
Nun ist es 5.45 Uhr. Ich bereite das Frühstück für unsere Tochter Sarah, schmiere ihre Brote für ihre Arbeit in der Werkstatt der Lebenshilfe in Dannenberg, bevor ich sie um 6.00 Uhr wecke, dann dusche ich sie, ziehe sie an und während sie frühstückt, koche ich die erste Kanne Kaffee, gebe dem Kater Toni seine erste Milch und starte die Waschmaschine. Gegen 6.30 Uhr ist der Bus vom Fahrdienst vor der Tür. Ich bringe Sarah raus und komme mit drei Katzen wieder rein, die draußen gewartet haben. Obwohl die Katzen jederzeit ins Haus können (Katzenklappen), gibt es einige, die unbedingt persönlich eingelassen werden wollen.
Ich trinke schnell einen Schluck Kaffee, ziehe meine Jacke an und gehe raus in die Stallungen. Die Pferde und Esel begrüßen mich mit Blubbern und sanftem Stupsen, ich mache Licht an und schaue, ob alles in Ordnung ist, dann gehe ich nach hinten zu unseren „kleinen Tieren“ - Schweine, Ziegen, Hasen, Kaninchen, Enten und Gänse, auch dort ist alles bestens.
Nun hole ich aus der Futterkammer einen großen Eimer mit Möhren, die ich für die Kleintiere schnipseln muss.
7:00 Uhr
Es ist jetzt 7.00 Uhr. Ich trinke jetzt einen Kaffee, esse ein Brötchen, während ich 10 Minuten Moma-Magazin schaue wegen der Wettervorhersage.
Danach geht‘s raus mit Schal, Jacke und Stiefeln. Die Möhren für die Schweine, Ziegen, Enten und Gänse werden mit Quetschgerste vermischt und auf dem Auslauf verteilt. Nun können sie raus und sich ihr Futter suchen. Die Schweinesuhle und die beiden Teiche werden mit Wasser aufgefüllt.
Rübenschnitzel und Maiscobs für die Pferde wurden am Vorabend in Eimern mit Wasser angesetzt und sind über Nacht im Heizungsraum stehend gequollen. Die schweren Eimer müssen „nur“ noch in die Futterkammer geschleppt werden.
Jetzt wird das Futter für die Pferde fertig gemacht. Jedes Pferd bekommt eine exakt berechnete und auf seine Bedürfnisse abgestimmte Futterration. Wir füttern fünf verschiedene Müslis, dazu Gerste, Reformhafer, Mineralfutter, Saftfutter wie Möhren und Äpfel, sowie Grundfutter wie Quetschgerste, Rübenschnitzel und Maiscobs. Pro Fütterung verbrauchen wir 60 kg Quetschgerste, 25 kg Müsli, 30 kg Möhren, 10 Kilo Äpfel, 10 kg Rübenschnitzel (uneingeweicht) sowie 4 kg Maiscobs (uneingeweicht) und 4 kg Mineralfutter. Dieter, unser Helfer, hilft mir beim Verteilen der Futtereimer.
Nun ist es 7.45 Uhr, jetzt müssen die Stromgeräte auf die Weide gebracht, der ganze Weidezaun kontrolliert und Heu verteilt werden, damit die Pferde tagsüber zu fressen haben. Das macht Dieter. Ein Pferd muss rund um die Uhr Futter aufnehmen, da sein Magen sehr klein und sein Darm sehr lang ist.
Ich hole alle Futtereimer wieder aus den Boxen und wasche sie aus und setze dann neue Rübenschnitzel und Maiscobs für die Abendfütterung an. Danach halftere ich die Pferde und Esel auf. Dieter ist wieder zurück, wir stecken uns noch reichlich Pferdeleckerlis ein und dann bringen wir die Pferde und Esel raus. Dies geschieht immer in der gleichen Reihenfolge, damit keine Unruhe aufkommt. Pferde lieben geregelte Abläufe.
Wie immer gibt es natürlich etwas „Spaß“ beim Rausbringen, aber das ist ganz normal und wenn die Pferde etwas übermütig sind, freuen wir uns, denn dann wissen wir, dass es ihnen gut geht.
Das tägliche morgendliche Auf-die-Weide- und das abendliche In-die-Box-Bringen ist äußerst wichtig, denn
1. so fördern wir den Kontakt mit und das Vertrauensverhältnis zu den Pferden und ich sehe sofort, wenn es einem Tier nicht gut geht.
2. nur so können wir gewährleisten, dass jedes Pferd „sein“ Futter bekommt.
3. so sind die Pferde nachts in Sicherheit (auch hier gibt es Menschen, die nachts auf Weiden schleichen und Pferde quälen) und wir können immer bemerken, wenn plötzlich irgendwas nicht stimmt. Die Pferde stehen in Offenstallungen und können miteinander Kontakt haben und so steht keiner alleine.
8:45 Uhr
Gegen 8.45 Uhr sind meistens alle draußen und wir gönnen uns eine kleine Pause. Jetzt sind auch die „schlafenden“ Hunde wach und draußen und toben auf dem Hof herum. Sie bekommen ihr Futter und liegen danach erst mal zufrieden im Heu in der Herbstsonne. Zwischendurch kontrolliere ich das Telefon + AB.
Nun müssen die Kaninchen versorgt werden. Jeden Tag wird ausgemistet und mit Spänen neu eingestreut. Sie bekommen Heu, Möhrenscheiben, Löwenzahn oder frisches Gras, Kraftfutter und frisches Wasser. Alle Tiere werden in die Hand genommen und untersucht. Dann reinige ich die Enten- und Gänseställe und fege den ganzen Auslauf.
Inzwischen ist es 10.00 Uhr und Mittwoch, Mittwoch ist Hufschmiedtag. Achim, unser Hufschmied ist pünktlich und möchte, wie immer, erst mal einen Kaffee, während wir besprechen, welche Pferde heute an der Reihe sind.
Zwischendurch erhalte ich zwei Anrufe von Leuten, die ihre Tiere bei uns “los“ werden wollen. Ich gehe zum telefonieren in mein Büro und muss aber in beiden Fällen absagen.
Achim und Dieter gehen runter zur Weide und holen das erste Pferd in die Schleuse, wo die Hufe gemacht werden.
Gegen 10.30 Uhr bin ich wieder draußen und helfe mit, so dass wir gegen 11.30 Uhr mit drei Pferden fertig sind. Bevor Achim sich wieder auf den Weg macht bekommt er natürlich seinen zweiten Kaffee.
Jetzt geht‘s ans Ausmisten der Pferdeboxen. Das bedeutet für jeden so 20 bis 25 Karren mit jeweils 80 bis 100 kg Mist beladen und auf den Misthaufen fahren.

Valentino und Salantus
14:00 Uhr
Um 14.00 Uhr müssen fünf unserer Pferde ihre Mittagsmahlzeit bekommen, die sie in der Schleuse zur Weide erhalten. Ich brauche nur das jeweilige Pferd mit Namen zu rufen und sie kommen sofort einer nach dem anderen zum Futtern.
15.00 Uhr gönnen wir uns eine Pause, bevor Dieter anfängt in die Boxen Stroh zu verteilen und ich reinige die (acht) Katzenklos im Haus, wasche die Futterschüsseln aus dem Katzenzimmer (auch da können die Katzen jederzeit rein und raus) und fülle sie wieder auf und tausche einige Kuscheldecken aus, weil irgendeine Katze sich übergeben hat.
Fast täglich muss mein Mann säckeweise Futter holen, wir haben nur ein kleines Auto.
Um 16.30 Uhr kommt unsere Kleintierärztin, um sich die Hasenjungen wegen bevorstehender Kastration anzusehen. Alle Tiere sind top, gesund und quietschfidel.
Danach wird der Hof gefegt, das Futter für die Abendfütterung der Pferde fertig gemacht und die Futtereimer und Heu für die Nacht in den Boxen verteilt. Die Wassereimer werden gereinigt und mit frischem Wasser aufgefüllt.
18:00 Uhr
Gegen 18.00 Uhr ist das alles erledigt und wir können die Pferde wieder von der Weide holen. Das geht natürlich auch wieder in genau festgelegter Reihenfolge, wobei Salantus, Aaron und Leopold immer wieder viel Spaß haben zu testen, ob wir auch durchsetzungsfähig sind. Nach ca. 40 Minuten sind alle wieder in ihren Boxen, Halfter ab und fressen zufrieden.
Alle Futtereimer erden eingesammelt, ausgewaschen und das Futter für die Morgenfütterung angesetzt, alle Weidezaungeräte werden eingesammelt.
19:15 Uhr
Jetzt ist es ca. 19.15 Uhr und wir müssen noch die Schweine, Ziegen, Enten und Gänse für die Nacht versorgen. Sie bekommen Futter, Wasser, Heu und Gemüse, danach werden sie die Hasen und Kaninchen versorgt.
20:15 Uhr
Um 20.15 Uhr ruft Angelika Jones an, um zu hören, ob alles in Ordnung ist. Während wir telefonieren wasche ich ab, koche wieder Kaffee und versorge dann die vier Nymphensittiche im Haus.
Danach geht es wieder raus, um in allen Pferdeboxen noch mal mit dem Schlauch die Wassereimer für die Nacht aufzufüllen (pro Pferd mind. 20 Liter). Dann lösche ich im Stall das Licht.
Um 21.00 Uhr erledige ich noch ein wenig Schreibkram und Ablage. Gegen 22.00 Uhr fülle ich noch mal die Katzenschüsseln nach, lasse alle Hunde raus und schaue nach den Pferden und den anderen Tieren. Alle knurpseln zufrieden am Heu oder schlafen auch schon mal ne Runde.
23:00 Uhr
Bevor ich gegen 23:00 Uhr endlich ins Bett könnte, ruft dann noch unser Tierarzt Otto an, um mir das Ergebnis des Blutbildes von unserem Pferd Lantana mitzuteilen. Diese Uhrzeit ist bei Otto ganz normal, da er tagsüber für so was keine Zeit hat und mich eh nur schwer erreichen kann. Wir besprechen das weitere Vorgehen und die Planung für die nächsten Tage.
24:00 Uhr
Gegen Mitternacht habe ich es geschafft, ich liege im Bett: Gute Nacht für knapp 5 Stunden.
Das war ein ganz normaler und typischer Tag auf unserem Lebenshof, mal ohne unerwartete „Katastrophen“.
Ich möchte noch einmal unsere Kosten erwähnen: allein für das Futter für alle Tiere benötigen wir im Monat ca. 3.600,00 €. Dazu kommen die Kosten für Stroh, Einstreu, Katzeneinstreu, Hufschmied, Tierarzt, Material, von Strom, Benzin usw. ist noch gar keine Rede …
Wie man sieht, ist das Leben und die Arbeit mit so vielen Tieren auf einem Lebenshof verdammt aufwendig und anstrengend, jeder Tag ist brutal strukturiert und es gibt nie eine Auszeit, dazu Geldsorgen, Ärger mit ignoranten Behörden, seelische Belastungen …und trotzdem ich will dieses Leben mit und für die Tiere und bin genau da, wo ich sein möchte.
Euer Lebenshof PferdeGlück
Christiane Suschka
Prezier, 5. November 2011
|
|