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Joy
Am
9.9.2006 kam Joy, eine 11 Jahre alte schwarzbraune Trabermixstute
zu uns, mit einer Geschichte, die unglaublich ist, wenn sie traurigerweise
nicht wahr wäre.
Sie hatte 6 Monate zuvor einen schrecklichen Unfall.
Joy und die Reiterin wurden von hupenden Motorradfahrern erschreckt,
Joy sprang in Panik über eine Leitplanke, die zwischen ihre
Hinterbeine kam und ihr alle Muskeln bei dem Unfall durchtrennte.
Joy musste seitdem in ihrer Gitterbox stehen (3x3m), ohne Fenster
nach außen, Tag und Nacht. Das war die Anweisung ihres behandelnden
Tierarztes. Nicht ein einziges Mal wurde sie spazieren geführt
oder aus dieser Box herausgeholt. Eine Tierschützerin wurde
auf dieses Schicksal aufmerksam und setzte sich mit Free Animal
in Verbindung. Als Joy dann zu uns kam und sie von mir aus dem Hänger
geführt wurde, blieb sie erst mal wie angewurzelt stehen. Die
Sonne schien, man sollte meinen extra für diesen Moment, der
Himmel war strahlend blau. Joy starrte fassungslos nach oben, sah
den Vögeln und den herum fliegenden Blättern nach. Sie
blieb völlig regungslos für einige Minuten, nur ihr Kopf
sah langsam den Wolken nach. Wir mussten in diesem Moment an die
armen Grubenpferde in England denken; ein für uns sehr ergreifender
Moment.
Wir führten Joy dann in ihre Box, die so steht,
dass alles was auf dem Hof und auch auf den Weiden geschieht, beobachtet
werden kann. Die Reizüberflutung nach 6-monatiger Isolation
und Dunkelheit war enorm für Joy. Ihre Behinderung hinten rechts
war offensichtlich völlig nebensächlich geworden, denn
sie bewegte sich souverän und hatte anscheinend keine Schmerzen.
Am nächsten Tag wurde nach mehreren Spaziergängen
mit der Herde zusammen auf die Weide gebracht und nahezu augenblicklich
aufgenommen. Als sie nun das erste Mal nach über 6 Monaten
wieder völlig frei laufen konnte, galoppierte sie los, das
rechte Hinterbein wurde von ihr virtuos eingesetzt. Wir hielten
alle die Luft an aus Sorge; Joy jedoch wieherte und wieherte, rannte
Runde um Runde zu jedem Pferd, zum Schluss wälzte sie sich,
sprang wieder auf und lief zum Aquamaten. Wir alle waren tief beeindruckt.
Joy's rechtes Hinterbein wird immer ein „Schlenkerbein“
bleiben, aber sie hat anscheinend keine Schmerzen, kann jede Gangart
gehen und macht einen überglücklichen Eindruck. Sie wird
sehr wohl wissen, welchem Schicksal sie entgangen ist. Die Vorbesitzer
wollten Joy, nachdem der Tierarzt nach 6-monatiger Einzelhaft zu
dem Ergebnis gekommen war, dass Joy nie wieder geritten werden kann,
zum Schlachter geben. Eine merkwürdige Diagnose nach so einem
Unfall, er hätte Joy die 6 Monate gleich mit einer vernünftigen
Diagnose ersparen können. Joy jedoch hat einen starken Charakter
und Persönlichkeit, manch anderes Pferd hätte die Belastung
der Dunkelheit nicht so überstanden.
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